Mittwoch, 19. Januar 2011

06.01.2011 Indischer Abgesang

Das aufgeregte Treiben morgens um 6.00 Uhr kündigt an, dass nun die letzte Nacht im Rotel überstanden ist. Oder anders ausgedrückt könnte man auch sagen, dass sich wohl ausnahmslos alle wieder auf ihr eigenes Bett und vor allen Dingen auf ihr eigenes Klo zu Hause freuen. Die Ausmaße dessen werden uns sicherlich exorbitant vorkommen.
Zuvor genießen wir noch einmal das letzte Rotelfrühstück unter freiem Himmel, welches in seiner Kargheit nicht mehr zu übertreffen ist: wer heute nicht schnell genug beim liederlichen Instantkaffeepulver zuschnappt, der muss sich eben mit lauwarmen Restwasser zum Mundspülen zufrieden geben. Obst gibt es schon lange nicht mehr, obgleich wir in einem Land sind, wo die Kokosnüsse und Bananen einem direkt vor die Füße fallen. Wurst- und Käsereste lassen sich dafür aber noch gut bis zur Schimmelgrenze essen. Wie gesagt, die Ansprüche sinken von ganz allein unter die Schmerzgrenze.
Die letzte Station unserer Reise ist Handels- und Geschäftsstadt Bangalore mit rund 5,4 Millionen Einwohnern. Es ist die Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka und gehört durchaus zu den etwas größeren Städten Indiens.
Wieder tuckern wir mit dem Rotel im höchsten gesundheitsschädlichen Maß durch das indische Hinterland und erreichen dann am frühen Nachmittag die letzte Herberge unserer Reise. Dort erwarten uns nicht nur frische Duschen, sondern auch eine große Überraschung: es handelt sich dabei um einen Luxusschuppen, welcher die 3-Sterne-Kategorie erstmalig locker sprengt! Das Interieur der exquisiten Gartenanlage erinnert deutlich an den Stil eines englischen Gentlemen’s Club, dessen Herzstück eine offene Showküche darstellt, bei der die gut betuchten Gäste live die Zubereitung ihrer auserlesenen Speisen verfolgen können. Ein gelecktes Swimmingpool in riesigen Ausmaßen sowie außergewöhnliche Suiten mit eigenen Balkons bilden den makellosen Rahmen.
Und nun fallen genau dort 29 ausgemergelte und bereits vollkommen verwahrloste Rotelianer ein wie ein Wanderheuschreckenschwarm über ein Weizenfeld. Ebenso ausgehungert wird die Speisekarte rauf und runter bestellt, welches dem Chef de Cuisine die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Wie es in Indien so üblich ist, wird uns auch hier bereits während des Essens die Rechnung unter den noch warmen Teller geschoben. Möglicherweise erwecken wir in unserem verlumpten Outfit aber auch nicht gerade den Eindruck, als ob wir täglich in solchen Clubanlagen dinieren. Die Preiskategorie erreicht tatsächlich schon europäischen Standard, so dass rasch noch solidarische Panikspenden in der Gruppe stattfinden. Immerhin ist jenes glanzvolle Swimmingpool ja kostenlos, so dass der Rest des Tages dort seinen Ausklang findet.
Abends lädt unser Reiseveranstalter die verwilderte Rotel-Mannschaft zu einem feudalen Buffetessen ein, welches in seiner exzellenten Hochwertigkeit nicht mehr zu toppen ist.
An dieser Stelle sei kurz bemerkt, dass wohl allen Rotel-Reisenden ein leicht unwohliges Gefühl überkam, in Hinblick dessen, dass in Indien täglich Hunderttausende an Hunger sterben. Dieser Luxusschuppen könnte an jedem Ort der Welt stehen, denn beinahe nichts erinnert daran, dass wir in Indien sind, außer eventuell das indische Hotelpersonal.
Und so dürfen wir gleichwohl auch stolz darauf sein, dass wir den durchaus unbequemen Weg gewählt haben, der so gastfreundschaftlichen und sympathischen indischen Bevölkerung auf Augenhöhe begegnet zu sein. Deren Herzlichkeit, die uns tief berührte sowie die fröhliche und unbefangene Neugierde der Kinder wird uns stets unvergessen bleiben.

Spät in der lauwarmen Nacht erreichen wir den Flughafen Bangalores. Ausnahmsweise pünktlich startet unser Flieger, um uns nach einer langen Flugnacht wieder im kalten Deutschland abzuwerfen. Namasté India!

Donnerstag, 6. Januar 2011

05.01.2011 Götterhimmel und Himmelhunde

Das Hotelbett lädt verlockend zum Ausschlafen ein, doch vermutlich würde weder Helmut, unser Sklaventreiber, noch Schorsch, der stets unter Zeitdruck stehende Rotelbusfahrer, uns dafür das geringste Maß an Verständnis entgegenbringen.
"The same procedure as every day ..." und somit sitzen wir brav um 7.00 Uhr bei dem spartanischen Rotelfrühstück, welches irgendwie täglich mikriger ausfällt. In Anbetracht der ärmlichen Inder um uns herum wagt jedoch keiner der langsam verlotternden Gruppe, darüber eine Silbe zu verlieren. Schließlich hatten wir ja auch keinen Gourmetausflug gebucht!
Rotel zugeklappt, womit sich das tägliche Bettenmachen immerhin erübrigt, allerdings muss nun noch der riesige Anhänger mit 15 langsam welkenden Männern zur Zugmaschine geschoben werden. Dieses stellt nicht nur ein sportliches Event dar, sondern verlangt auch noch einen selbstlosen Teamgeist und Geschicklichkeit bevor die Sonne eigentlich so richtig aufgegangen ist.
Der heutige Trip führt uns zu einer der bedeutensten Pilgerstätten des Jainismus, deren Anhänger (im Gegensatz zu uns ...) ganz besonders reinliche Menschen sind, die weder tierische Produkte essen noch einem Tier irgendein Leid zufügen dürfen. Dieses gilt doch tatsächlich auch für Moskitos! Wir hauen dafür jede scheiß Mücke aus dem Leben raus!
Mit den letzten Reserven schleppen wir uns ein paar Stunden später den sogenannten Felsenberg hinauf, deren Aufstieg aus 600 absolut nicht der europäischen Norm entsprechenden und wohl einfach lustig in den Felsen gehauenen Stufen besteht. Dort oben erwartet uns der uralte Gomateshwara-Tempel mit der 18 Meter hohen Steinstatue eines nackten Gottes in Menschengestalt. Er hatte auch kein Feigenblatt an bekannter Stelle, was augenscheinlich sämtliche Frauen der unmittelbaren Umgebung erfreute. Kurzum: eine lohnenswerte Anstrengung!
Nachmittags ließen sich dann doch noch zu aller Überraschung zwei steinalte Tempel auftreiben, die wir allen Erntes noch nicht niedergetrampelt hatten! Die Freude hielt sich schlapp an der Oberfläche. Einzig die bunte Schulklassenkinderschar, die ebenfalls mit ihren Lehrern sich der Landeskultur stellen mussten, erfreute unsere Gemüter. Teilweise empfanden wir die indischen Vorträge der Pauker echt interessanter als das, was Asket Helmut sich da in den Bart brabbelte. Verstehen konnten wir eh beides nicht.
Die Kinder allerdings scharten sich sogleich um uns, wollten fotografiert werden, unsere Namen erfahren, woher wir kommen, um darauf in ein helles Gelächter auszubrechen und uns die Hände zu schütteln. Das kann zu einer echten Aufgabe werden bei den gefühlten Millionen Kiddis auf einen Haufen.
Abends erreichen wir wieder irgend so ein Hotel. Der Überblick über gebuchte Zimmernummern und Duschen entgleitet den ersten Roteliannerinnen bereits. So entkleidet sich unsere russische Mitreisende Marina vollkommen entspannt im "Damenzimmer" und wundert sich aber darüber, dass noch Klopapier auf der Rolle hängt und sogar die kleinen Seifenpröbchen noch nicht wie üblich geklaut sind. Vorsichtig überprüft sie mit halb hochgezogener Hose nochmals die Zimmertür, um entsetzt das deutsche Wort "Herren" auf dem alltäglichen gelben Post-it Klebezettel zu lesen.
Den schönsten Abschluss des Tages bietet uns jedoch einfach ein riesengroßer Baum. An ihm hängen nämlich unzählige eigenartige Tiere, die wie überdimensionale Fledermäuse aussehen: Fliegende Hunde! Laut quietschend schwärmen Hunderte von ihnen in die sternenklare, (und extra für unsere deutschen Mitleser) lauwarme Nacht.
Ein unvergesslicher Anblick.

04.01.2011 Fußkette oder Scout

Nach der üblichen gestrafften Frühstückszeremonie bleiben wir heute noch mal am gleichen Ort, um uns der vielfältigen Stadt Mysore zu widmen. Zuerst fahren wir zum Chamundi-Berg, auf dem sich die größte Nandi-Statue der Welt befindet. Nandi stellt einen Stier dar, der als das heilige Tier von Shiva unter anderem auch zuständig ist für die Fruchtbarkeit des Mannes. Aber nicht nur indische Männer pilgern dorthin, sondern auch Frauen und Kinder, um einfach nur Nandi anfassen zu können und dadurch gesegnet zu sein. Die gelebte Lebendigkeit des  Hinduismus steht übrigens in einem besonderen Kontrast zu dem christlichen Glauben: Während stille Diskretion und Ruhe in unseren Kirchen vorherrschen, finden wir in den Hindu-Tempeln eher ein buntes Treiben, Tirilieren und Toben vor. Bis vor kurzem war es sogar üblich, die unzähligen Götterfiguren mit Butterkugeln zu bewerfen. Was für ein Gaudi muss das gewesen sein! Weil die dicken Butterschichten im Laufe der Zeit jedoch die Figuren zur Gänze verdeckten, wurde dieses feierliche Ritual verboten.
Nachdem wir gefühlsmäßig jetzt wohl auch den allerletzten Tempel Südindiens persönlich besucht haben, erleben wir nun die Märchenhaftigkeit des Orients: Wie aus 1001 Nacht bietet sich uns der schönste Maharadscha-Palast dar, den man sich nur vorstellen kann. Rote Zwiebeltürme, bunte Säulen, schwere Marmorfiguren, bedeutende Wandmalereien und Türen aus purem Elfenbein und Silber lassen uns die Prächtigkeit vergangener Zeiten nur ansatzweise erahnen. Unzählige Bilder von Elefantenparaden und militärischen Aufmärschen und unterstreichen die wörtliche Übersetzung des Maharadschas: Maha = groß, Radscha = König.
Nachmittags setzt uns Asket und Reiseleiter Helmut in einem riesigen Markt, der einfach alles an Obst, Gemüse, Parfumölen, Saris, Räucherstäbchen und Blech bietet, was das Herz so begehrt. Freizeit! Dieses freut natürlich auch sofort die fliegenden Händler, die sich augenblicklich auf die vollkommen allein gelassenen Rotelianer stürzen. Sätze unsererseits wie "Sorry, I don't need this ..." oder "I don' t want to buy ..." oder "Verpiss dich!" kommt in ihrem Sprachgebrauch überhaupt gar nicht erst vor. So nervt uns ein junger indischer Großverkäufer von Blechdesign-Fußketten bereits seit einer halben Stunde. Doch Ulli hat die zündende Idee: er dreht den Spieß einfach um und engagiert den dynamischen Störenfried als unseren persönlichen Scout. Babou, unser neuer Reiseleiter auf Zeit wechselt augenblicklich die Branche und zeigt uns an diesem Nachmittag noch sämtliche Sehenswürdigkeiten und Shops, die man in diesem Millionenstädtchen gesehen haben muss.
Der Ausklang des Tages soll nun auch nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben, so dass wir uns nun das erste Mal überhaupt ein Hotelzimmer gönnen. Dem Gruppenkoller kurzfristig entflohen, genießen wir es, im Bad nicht anzustehen, eine Dusche für uns ganz allein zu haben, tatsächlich noch Klopapier auf der Rolle vorzufinden und des Nachts auch nicht mindestens 17 verschiedenen Tütengeraschel- oder Schnarchtönen lauschen zu müssen. 
Namasté India!

Mittwoch, 5. Januar 2011

Kabelwust

So arbeiten die Kollegen in Indien

03.01.2011 Tierische Begegnungen

Das allererste Mal überhaupt konnten wir ein deutliches Kälteempfinden in Indien verspüren, denn zum morgentlichen Frühstück unter freiem Himmel hatten sich die Temperaturen hoch oben in den Bergen noch nicht wirklich in den zweistelligen Bereich geschraubt. So sitzen alle Rotelianer in sämtliche Klamotten gehüllt, die sich so in der 3-Tages-Tasche auffinden lassen. Irgendwelche modischen Ansprüche gibt es seit Beginn der zweiten Woche eh schon nicht mehr.
Die Fahrt geht weiter nach Mysore, einem interessanten Millionenstädtchen. Während es wieder merklich wärmer wird, sehen wir wilde Languren, die sich lustig um eine geklaute Orange streiten. Die Affenhorde interessiert sich ansonsten nicht sonderlich für die 29 eingeferchten Irren, die in einem roten Bus durch die Landschaft schaukeln. Überhaupt zeigen hier viele Tiere kaum Scheu, obwohl Milliarden laut hupende Inder um sie herum wuseln. Nicht nur bunte Vögel, deren Arten sich überhaupt nur erahnen lassen, sondern auch imposante Arbeitselefanten mit ihren Mahouts begegnen uns. Ein Mahout ist ein Elefantenführer, der mit seinem Tier ein Leben lang verbunden bleibt.
Mittags befinden wir uns kurz vor einem Distriktwechsel, welcher die Gelegenheit bietet, an dieser kleinen Grenzstation Mittag zu essen. Nachdem wir uns einen Masala-Tee in einem wild romantischen Lokal bestellen, vergeht uns jedoch augenblicklich der Appetit beim Anblick der Teetassen, die mit absoluter Sicherheit seit mehreren Wochen kein Spülwasser mehr gesehen hatten und von einer halben Million Inder vor uns benutzt wurden. Aber auf so einer Reise legt man irgendwann auch solche Pingeligkeiten ab.
Abends erreichen wir Mysore, bauen den Rotel auf und kriechen völlig erledigt nach einem typischen indischen Essen, was sich auf Grund der Schärfe nicht mehr eindeutig beschreiben lässt, nur noch in die Rotelkabine, um von fliegenden blauen Elefanten zu träumen. 

02.01.2011 eine Nacht mit Stil

Abwechslung im Programm: Da wir heute noch sehr weit fahren müssen, wird das Aufstehen kurzerhand von Helmut, unserem asketischen Reiseführer, auf 5.00 Uhr früh vorverlegt. Kein Problem, Schlafen können wir ja schließlich dann, wenn wir wieder zu Hause sind. Oder wie Helmut sich ausdrückte: "Ihr habt schließlich keinen aryuvedischen Wellness-Urlaub gebucht!" Nun gut, das Gefühl keimte auch schon in uns auf.
Die holprige Fahrt ließ praktisch keine Bandscheibe mehr dort, wo sie eigentlich ursprünglich mal hingehörte ... aber lassen wir das. Nach vielen Reisfeldern und Kautschukplantagen geht es nun in die "Blauen Berge" hoch. Die Serpentinen dort scheinen einzig für abenteuerlustige Bergsteiger geeignet zu sein, doch Schorsch, unser Höllenbusfahrer, vollbringt an diesem Tag sicherlich seine absolute Meisterleistung. Noch während wir das Atmen komplett eingestellt hatten, entdeckten wir neben den Steilhängen freche Hutaffen, die sich wahrscheinlich über uns tot lachen.
Inmitten von Teeplantagen erreichen wir endlich gegen Abend unser Ziel: die Sommerresidenz des Maharadschahs von Mysore. Der Palast ist vollkommen im Kolonialstil erbaut und lässt es an Prunk in nichts fehlen. Und genau dort findet unser verspätetes Silvesteressen statt. Stilvoller kann man überhaupt nicht dinieren, während unzählige Kellner um uns herum schwirren. Da ist es dann auch nicht mehr so erwähnenswert, dass wohl doch der eine oder andere Rotelianer nur noch zerlumpte und verdreckte Klamotten für das Event aus seiner 3-Tages-Tasche kramen konnte, da der "Koffertag" natürlich erst zwei Tage später angesagt ist.
Während die meisten Mitreisenden nach dem herrlichen Buffet im Landesstil alsbald nur noch in die gute alte Rotelkabine fallen wollten um etliche Stunden Schlaf nachzuholen, beschlossen wir mit dem "harten Kern" einen Absacker im standesgemäßen Ambiente zu uns zu nehmen. Wann kann man sich im Leben schon mal fühlen wie ein Maharadschah zur Kolonialzeit?!
Die Nacht beinhaltete dann kein Maharadschah-Gefühl mehr, denn in besagter roter Schuhbox brach kurzfristig ein arktischer Schüttelfrost aus, da wir 2300 Meter über dem Meeresspiegel campten. Diese Nacht sank nicht nur die Luftfeuchtigkeit ins Bodenlose, sondern auch die Temperaturen auf 7 Grad.
Es fühlte sich beinahe ........ deutsch an. Gute Nacht! 

01.01.2011 Glück im Leben

Neujahrsmorgen. Kein Grund, das Frühstück später als auf 7.00 Uhr - wie jeden Tag - festzulegen.
Heute besichtigen wir Cochin, eine Hafenstadt, deren ganze kulturelle Vielfalt sich auf engem Raum darstellt. Mit einem kleinen rostigen Schiff setzen wir über in Richtung Hafen. Dabei müssen wir alberne Schwimmwesten tragen, was jedoch nur für uns, aber nicht für Inder gilt: Sollte ein Einheimischer untergehen, so fällt das bei dieser Bevölkerungsdichte nicht sonderlich auf. Tatsächlich werden wir auch noch von der Wasserpolizei kontrolliert, die sich seelenruhig in einem Hyazinthenteppich auf dem Wasser in einem motorisierten Dingi versteckt, um dann plötzlich wie aus dem Nichts zuzuschlagen!
Im Hafen erwarten uns unzählige Verkaufsstände, die größtenteils natürlich fangfrischen Fisch in allen Variationen anbieten. Allerdings muss man das Wort "fangfrisch" in Indien wörtlich nehmen: Fast alle Fische lebten noch auf den Verkaufstresen und wurden nur immer wieder in ihre Darbietungsposition zurückgerückt, bis sie irgendwann verendeten. Auch eine Art der Tierquälerei. Sehr interessant anzusehen waren jedoch die riesigen, chinesischen Auslegernetze, die wie vor tausend Jahren mit Gegengewichten von kleinen, schmächtigen Indern aus dem Wasser gehieft wurden. Deren Ausbeute war justament ein einziger mikriger Fisch, der sogleich von einem schwarzen Rabenvogel geklaut wurde!
Was uns jedoch am meisten faszinierte, ist jedes Mal wieder diese herzliche Art der Inder, die sich stets darüber freuen, wenn sie fotografiert werden. Ungewöhnlich erschien uns nur ihre lustige Gegenreaktion: sogleich wurden WIR vor deren Kameras gezogen, damit sie uns mit samt ihrer Familie ebenfalls fotografieren konnten. Offensichtlich hielten sie uns für Außerirdische oder sie hatten noch nie gesehen, wie 29 Durchgeknallte in einem roten Bus durch die indische Pampa reisen. Rein geruchlich gesehen, würde ich mal sagen, passt sich diese Gurkentruppe langsam indischen Verhältnissen an .... ! 

Lieber Simi, lieber Joni, an dieser Stelle sei mal kurz bemerkt, dass wir natürlich bereits sehr viel Armut auf unserer selbst keinesfalls luxuriösen Reiseart erlebt haben. Die Slums und Lebensverhältnisse erscheinen uns Europäern teilweise als unvorstellbar, wie dort Menschen überhaupt existieren können. Und dennoch begegnen uns alle Inder so unvoreingenommen und freundlich und bedanken sich ohne jegliche Berührungsangst sogar per Handschlag einzig für ein ihnen entgegengebrachtes Lächeln. Allerorten wird uns ein helles "Happy New Year" entgegengerufen und zwar von Menschen, die selbst beinahe nichts haben. Diese Reise und die herzliche Lebensart der Südinder lehrte uns eines ganz besonders: es braucht längst nicht so ein Übermaß an materiellen Dingen, um glücklich sein zu können im Leben! 

Samstag, 1. Januar 2011

31.12.2010 Silvester bei 80%

6.00 Uhr morgens. Ohrenbetäubendes Katzengejammer, allerdings nur vom Band. Der Töffel von Muezzin schläft ja wohl wahrscheinlich noch! Wir schreiben das Jahr 2010. Heute allerdings zum letzten Mal.
Aufstehen. Denkapparat ausschalten, Rotel-Programm abspulen, so dass wir um Punkt 8.00 Uhr Abfahrt bereit sind. Sind wir auch und zwar ausnahmslos alle. Was jedoch noch nicht Abfahrt bereit war, ist unsere Wäsche, die wir zum Waschen im Hotel abgegeben hatten. Inder leben anders, denken anders, arbeiten anders.
Auch Uhren dienen hier mehr zu Dekozwecken. Schorsch, der Busfahrer und heimlich bereits Maharadschah genannt, läuft zu Hochtouren auf. Irgendwann sitzen wir dann noch ... sogar mit sauberer Wäsche ... im Rotel und das Fremdenlegions-Spaßprogramm geht wieder los. Mehr dahin vegetierend als noch existierend holpern wir ratternd durch Indiens Menschenmassen, die uns fröhlich vom Straßenrand zuwinken. Gefühlte 17 Stunden später erreichen wir am frühen Abend unseren Zielort Cochin. Die Hitze treibt uns den Schweiß auf die Stirn, ohne dass wir überhaupt nur mit einem Muskel gezuckt haben. Offensichtlich kündigt sich ein zweiter Anti-Monsun an. Die Luftfeuchtigkeit steigt schon auf unglaubliche 75% an und die ersten Ratten verlassen das sinkende Schiff. Panische Zimmerbuchungen in dem angefahrenen Hotel führen nach Sekunden dazu, dass das Hotel vollkommen ausgebucht ist. Ulli und ich bleiben jedoch hart: wir ziehen die kommende Nacht in der schachtelgroßen Schlafbox durch! Es blieb uns auch nichts anderes übrig, da nach heimlichen Nachfragen bei der Hotel-Rezeption die Antwort leider sehr ernüchternd war: ausgebucht!
Unser feudales Silvester-Neujahrsessen werden wir erst übermorgen genießen können, wenn wir den Maharadschah-Palast besuchen. Dennoch gab es wieder ein typisch indisches Buffet, was bedeutet: das Essen wird nach asiatischen Zeitgefühl nachgefüllt und tötet bereits im ersten Gang sämtliche Geschmacksnerven ab. Unsere Reiseleitung fuhr dennoch groß auf: Maracujasaft, Orangensaft und Rum, Rum, Rum. Ohne Geschmacksnerven ist die Getränkeauswahl eh nicht mehr von so großer Wichtigkeit. Plötzlich setzt jedoch kurz vor Mitternacht der Anti-Monsun ein: es regnet tatsächlich wieder aus allen Wolken, was zu einem schlagartigen Anstieg der Luftfeuchtigkeit auf 80% führt. Und dieses Mal begleitet auch noch ein heftiges Gewitter den Monsun. Das einzige Geböller zum Jahreswechsel setzt sich hier somit aus Blitzen und Donnern zusammen. Wann jedoch genau nun dieser Jahreswechsel stattgefunden haben könnte, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. So ziemlich jeder aus der Gruppe hatte eine andere Uhrzeit zu verkünden, so dass schließlich Ulli sich irgendwann dazu berufen fühlte, nun mit einem entschlossenen Countdown das neue Jahr zu starten. Happy new year! 
   

Freitag, 31. Dezember 2010

30.12.2010 Brackwasser oder Meeresbrandung

Gooooooood Morning, India!
Unsere Freude vom Vortag wird ein klitzekleines bisschen durch einen obernervigen Muezzin gemindert, der um Punkt 6.00 Uhr morgens mit einem ohrenbetäubenden Katzengejammer den Tag einläutet. Eiskalt zieht er sein Folter-Programm bis 8.00 Uhr durch. Dass es sich dabei um den einzigen Tag der Rotel-Reise handelt, an dem wir eigentlich ausschlafen könnten ... aber lassen wir solche Spitzfindigkeiten.
Ulli verspürt so langsam den aufkeimenden Wunsch in sich, einfach als Eremit an einem Schweigeseminar in einer gottverlassenen Gegend teilnehmen zu können. Somit entscheidet er sich für einen Strandtag und der Leichtigkeit des Chillens.
Ich hingegen bin bereit, die unendlichen Tiefen der Backwaters zu erkunden! Bei den Backwaters handelt es sich um ein Netz aus rund 1900 km Kanälen, die sich an manchen Stellen zu großen Seen ausdehnen. In diesem Labyrinth palmengesäumter verwunschener Flüsse kann man mit alten Reisbooten einfach die Zeit an sich vorbeifließen lassen. Zwar bot sich mir eine vielfältige Flora und Fauna ... doch bei genauerem Betrachten ... könnte so ein Bad in diesen entzückenden Flüsschen praktisch auch tödlich enden. Das läge dann weniger daran, dass sich dort Krokodile hin verirren könnten, denn mehr an der unfassbaren Verdreckung. So schwimmen hin und wieder Eingeweide und Gedärme friedlich vereint neben buntem Hausmüll an unserem Boot vorbei.
Durch einen Fehler unseres Fahrers hätten wir letztendlich sogar noch fast das Vergnügen gehabt, samt Boot und kompletter Mannschaft die "Brackwasser" von Kerala auch unter Wasser betrachten zu können.
 Nachmittags genießen Ulli und ich dann endlich das herrlich warme Bad im Arabischen Meer gemeinsam. Ein unbeschreibliches Gefühl nach 1500 Kilometern indischer Straßenstrapaze.
Während ich nun nicht mehr aus dem Wasser herauszukriegen bin, fährt Ulli mit seinem neuen Freund Haschisch (typisch indischer Vorname) in ein Fitnessstudio, welches nur für ihn allein geöffnet wurde. Unter Umständen half Ullis diskrete Auskunft darüber, dass er bei der Kripo in Deutschland arbeitet, ein wenig nach.
Dieser Tag schloss mit einem wunderbaren indischen Essen, welches uns direkt am Strand für die ganze Rotelgruppe gereicht wurde. Die Gurkentruppe sozusagen glücklich vereint und mit Gin Tonic versöhnt! Manchmal braucht es doch so wenig, um glücklich zu sein.
In diesem Sinne wünschen die beiden Asien-Globetrotter allen Lesern einen guten Rutsch (im Schnee ... höhö!) ins Jahr 2011, welches wir schon viereinhalb Stunden eher und ... ich sage es ja gern noch mal: bei gefühlten 30 Grad des Nachts, feiern werden!!

29.12.2010 Vereinigung der drei Meere

Die Fahrt geht weiter. Manchmal kann das Aufstehen auch zu einer gewissen Erleichterung des allgemeinen Gesundheitszustandes führen. Aufrechtes Sitzen, ausgestreckte Beine und gefahrloses Umdrehen während der Nacht gehören zu den nicht gebuchten Luxusausstattungen. Aber die Sonne scheint, es ist wohlig warm - das Leben ist schön! Und im nächsten Leben wird es ja schließlich noch viel schöner!!
Nach einer schier unendlichen und Bandscheiben verschleißenden Kamikaze-Fahrt, erreichen wir am heutigen Tag die südlichste Spitze Indiens: Cape Comorin.
Dort fließen drei Meere in einander: Der Golf von Bengalen, das Arabische Meer und der Indische Ozean.
Ein beeindruckendes Schauspiel. An diesem Punkt bemerken wir überhaupt das erste Mal, dass hier der Tourismus beginnt seinen Einzug mit all seinen negativen Facetten zu halten. Überall siedelten sich kleine Verkaufsstände an, aufs Betteln dressierte Kinder hängen an unseren Fersen und ... wir bemerken beinahe erstmalig auch andere weiße Touristen. Bis dato sind wir kaum einer Art von Tourismus begegnet.
Tamil Nadu verlassend, setzen wir unsere Fahrt nun in nordöstliche Richtung fort und erreichen den Staat Kerala. Es handelt sich dabei um die bevölkerungsreichste und wohl auch berühmteste Unionsrepublik Südindiens. Während sonst einsame Reisfelder, Salzgärten und Palmenwälder das Landschaftsbild prägten, reißt nun förmlich der Menschenstrom nicht mehr ab. Häusersiedlungen gehören zum Straßenrandbild und nett winkende und kopfwackelnde Menschen, die sicherlich Bauklötze staunen über 29 Vollidioten in einem rotem Bus.
Abends erreichen wir Kovalam Beach. Die folgenden zwei Nächte werden wir in einem Hotel direkt am Strand verbringen. Unsere Freude kennt keine Grenzen mehr! Wir schleppen uns mit letzter Kraft an den Strand und spülen dort in einem romantischen kleinen Lokal mit Gin Tonic und Cola Bacardi den indischen Staub aus unseren Lungen. Da Inder praktisch keinen Alkohol trinken, haben sie somit auch keinerlei Vorstellungen von Mischungsverhältnissen. Man könnte abschließend zusammenfassen, dass das eine Glas uns gleich in ganz andere Dimensionen schoss.

28.12.2010 Begegnung mit dem Anti-Monsun

Wie immer ist um 6.00 Uhr die Nacht vorbei. Mittlerweile entwickelt sich ein gewisser Teamgeist in der Gruppe, was das Auf- und Abbauen des Rotels angeht. Möglicherweise mag es aber auch daran liegen, dass Ulli in gewohnter Manier dafür sorgt, dass notfalls Polizeisperren errichtet werden, um die halbe Million Inder, die staunend um uns herum stehen, nicht zu gefährden. Oder auch anders herum. Pünktlich um 8.00 Uhr verlassen wir dann die Hotelanlage, allerdings reißt "Schorsch", der urbayerische Rotel-Busfahrer, dabei fast die gesamte Weihnachtsbeleutchtung des Hotels mit ab.
Der Tag führt uns nun nach Madurei, die Perle des Südens. Die 2500 Jahre alte Stadt gehört mit ihren 1,2 Mio. Einwohnern somit zu den kleineren Städten. Allerdings findet man hier die großartigste und beeindruckendste Tempelanlage Südindiens, die mit ihren 33 Millionen Götterfiguren und Dämonen einem schier den Atem raubt.
Nun gibt es jedoch nur eine Möglichkeit den Sundareshwara Menakshi Tempel zu erreichen: mit einer motorisierten Rikscha. Klingt jetzt nicht so spektakulär, kann sich aber tatsächlich schnell zu einem Himmelfahrtskommando entwickeln. Nicht nur, dass Verkehrsregeln in Indien praktisch keinerlei Bedeutung haben und Ampeln lediglich als Deko fungieren, sondern es setzte sogar noch der Anti-Monsun-Regen ein. Über 30 Grad im Schatten und dennoch erschien es, als öffnete der Himmel all seine Schleusen, die sich direkt über einer kleinen Rikscha ergossen.  
Shiva sei Dank kamen wir dennoch ohne größere Verluste bei der monumentalen Tempelanlage an. Und wie üblich mussten wir alle unsere Schuhe bei dem Schuhwächter abgeben, denn keine hinduistische Heiligenstätte darf mit Schuhen betreten werden. Müll kann man ruhig hinwerfen, aber dieses dann bitte nur barfuß. Im Tempel bot sich uns dann das schon vertraute Bild wieder dar: unzählige, wild schwatzende Inder und Inderinnen halten Kaffeeklatsch vor bunt bemalten Figuren, während sich Massen von Menschenansammlungen vor den echten Tempelelefanten oder auch mal Kühen oder ZIegen zusammen scharen.
Für einen Inder hört das Leben nach dem Tod nicht auf, sondern er geht dann lediglich in eine andere Lebensform über, welche jedoch stark abhängig von dem vorangegangenen Leben ist. Bedeutet: hast du in deiner jetzigen Daseinsform beispielsweise Süßigkeiten geklaut, so wirst du als Hund wiedergeboren werden. Vielleicht sollten auch wir unser Strafgesetzbuch echt mal überdenken ...!
Der Tag endete in einem phänomenalen Buffet, welches in einem schon beinahe als fast luxuriös zu bezeichnenden Hotel stattfand. Man wohnt sich ja so langsam hoch - selbst bei Rotel - allerdings nur, was das Duschen angeht. Geschlafen wird natürlich in einer Rotelkabine, die der Größe eines Sarges in nichts nachsteht. Gute Nacht! Egal wie!!

Dienstag, 28. Dezember 2010

27. 12. 2010 Das Unwort des Jahres

5.30 Uhr. Die Welt könnte praktisch noch in Ordnung sein, es sei denn, man ist tatsächlich so durchgeknallt und verbringt den Urlaub mit 27 anderen nicht minder Geschädigten. Da wir heute noch einen "Bonustempel" mit ins Programm nehmen ... so weit ich mich erinnere ... ungefragt (!) ... bedeutet dieses, dass genau jetzt die Nacht vorbei ist. Massenanstürme auf die gemieteten 4 Duschen in Hotelzimmern, unkontrolliertes Frühstücken unter freiem Himmel mit einer Million Mücken (auch die sind irgendwie überbevölkert in Indien), das gute alte Rotel-Plastikgeschirr spülen, Bänke und Tische verstauen, Rotel-Schlafanhänger fachgerecht abbauen und pünktlich um 7.30 Uhr geordnet im Bus sitzen. Der alltägliche Rotel-Drill hat uns fest im Griff. Wer das hinter sich hat, den kann in Deutschland schon mal gar nichts mehr aus der Ruhe bringen.
Abfahrt. Und noch keine Verluste zu vermelden. Alles wird gut.
Wir legten 270 Kilometer an diesem Tag zurück ... und ich möchte an dieser Stelle ganz dringend zum Ausdruck bringen, dass diese Entfernung auf Indiens Straßen zu einer kleinen Ewigkeit werden können, die nicht nur die Bandscheiben bis ins Letzte quälen und traktieren!
Die hinduistischen Tempel sind mehr als beeindruckend und scheinen aus einer vollkommen anderen Welt zu stammen. Allerdings können auch diese wunderbaren Bauten, die teilweise zum Welterbe gehören, nach dem dritten Besuch an einem Tag zum Unwort des Jahres gewählt werden. Bei den ersten Rotelanern bricht bereits eine Tempelmanie aus.
Der erlebnisreiche Tag endet in einer für Indien typisch lauten und bunten Stadt, deren schrilles Gehupe uns sanft in den Schlaf unserer exklusiven Rotelkabine rüttelt.

Montag, 27. Dezember 2010

26.12.10 Was andere nicht in ihrem ganzen Urlaub erleben, erleben wir an einem Tag

Nachmittags besuchten wir noch eine Krokodilfarm, die eine der größten Südindiens ist. Noch nie sahen wir so viel verschiedene Arten von Kaimanen und Salz- und Süßwasserkrokodilen, wie an diesem Ort.
Der krönende Abschluss dieses erlebnisreichen Tages stellte ein exklusives, typisch indisches Buffet dirket am Strand des Golfes von Bengalen dar. Das Wort "scharf" erhielt in unserem doch stark verweichlichten, europäischen Geschmackssinn eine vollkommen neue Bedeutung.
Total erschöpft vom Tag und der kurzen vergangenen Nacht, erschien einem die Rotelkabine doch gleich viel freundlicher, so dass wir augenblicklich nur noch Shiva, Wishnu oder von mir aus auch der blutrünstigen Göttin Kali dankten, dass wir endlich, endlich schlafen konnten!

26.12.10 Die Leichtigkeit des Seins

Doppelkabine rasch aufgebaut und diese dann exakt eine Stunde testhalber genutzt, bevor um 6.00 Uhr in der Früh der allmorgentliche Rotelbetrieb los ging. Wer glaubt, dabei einfach weiterschlafen zu können, der muss entweder völlig bekifft oder bereits tot sein.
Neugierig wurden wir von der wirklich netten und bunt gemischten Gruppe begrüßt. Mehrere Pressekonferenzen und einem herrlichen Frühstück bei bereits gefühlten 29 Grad später, besuchten wir die ersten hinduistischen Tempel dieser Reise. Die indische Kultur ist ein Meer aus märchenhafter Nostalgie, vielfältiger Sinnlichkeit und einer gelebten Leichtigkeit des Seins. Geschäftiges Treiben auf den überbevölkerten Straßen, auf den sich Kühe, Verkaufsstände und gefühlte Millionen Menschen gleichzeitig relativ unfallfrei bewegen, ist mehr als beeindruckend. Die Autohupe gehört zu den wichtigsten Überlebensutensilien: Allerorten wird ununterbrochen gehupt, was das Zeug hält. "Ich hupe, also bin ich!" Vermutlich werden wir in spätestens zwei Wochen einen Tinnitus davon tragen und dieses schrille, nervenaufreibende Geräusch nie wieder los werden. Die indische Herzlichkeit und das vollkommen unvoreingenommene Aufnehmen von Fremden geht einem jedoch geradezu ans Herz. Kinder wie Erwachsene haben kaum Berührungsängste und geben jedes noch so kleine Anlächeln tausendfach zurück. Es ist ein Lächeln, dass an den Augen nicht halt macht. Es überträgt sich, bis man es schließlich selber nicht mehr ablegen kann. Sie zu fotografieren bedeutet die größte Ehre für diese freundlichen Menschen und oftmals sind wir selbst der Mittelpunkt ihrer eigenen Fotografien.

25.+26.12.10 Das Abenteuer beginnt

Nach einer Nacht in einem fürstlichen von Lufthansa gesponserten Hotel ging  es dann am nächsten Tag mit drei stündiger Verspätung in Richtung Indien.


Am 26.12. um 2.30 Uhr Ortszeit erreichten wir endlich Chennai. Indien wir sind da! Das wir nicht nur das Land, sondern auch den Kulturkreis geändert hatten, merkten wir dann auch gleich bei der Gepäckausgabe. In Äquatornähe dreht sich zwar die Erde schneller, was jedoch nicht heißt, dass dieses auch auf die Bewohner zutrfft. Eine Stunde später lernten wir dann endlich unseren Reiseleiter Helmut kennen. Älteres Semester und die Ruhe in Person. Dem Aussehen nach erinnerte er stark an einen indischen Asketen, was hoffentlich nicht an der Rotel-Verpflegung liegt.
Nach einer holprigen Fahrt mit einem Jeep erreichten wir um 4.30 Uhr morgens den Rotel-Bus.

Freitag, 24. Dezember 2010

24.12.10 Heiligmorgen und -abend auf dem Frankfurter Flughafen

Statt der angesagten 1,05 Stunden Flug von Hannover nach Frankfurt stellten wir fest, dass man dieses auch locker in 35 Minuten schaffen kann. Mit einem gewissen Druck geht alles. Nichts desto trotz konnten wir dann nur noch unserem Langstreckenflug in Südindiens Sonne zuwinken und weg war die Maschine. Ohne uns. Nach einigen Erweiterungen unseres Freundeskreises durch das Bodenpersonal und weiteren knappen 3 1/2 Stunden Wartezeit wurden wir gewahr, dass dieses Weihnachtsfest in einem netten Hotel im idyllischen Taunus seinen Ausklang finden würde.
White Christmas in Good Old Germany.
Morgen früh versuchen wir unser Glück erneut ... mit einer Kleinigkeit von 24 Stunden Verspätung.

24.12.10 Wir versuchen Deutschland zu verlassen.

Eigentlich war die erste Hürde gut gemeistert. Die Anfahrt mit dem Pkw nach Langenhagen klappte trotz schlechtester Straßenverhältnisse. Schon während der Fahrt wurde eine Taxe zum Treffpunkt beim CCL bestellt.
Überpünktlich am Flughafen angekommen verfinsterten sich jedoch die Minen. Zwar stand der Flieger am Gate, aber 10 Minuten vor dem Start fiel irgendwie auf, dass es im Cockpit leer war. Man rief bei Käpten Hartmann (Name von der Red. geändert)an und fragte wo er und seine Crew denn bleibe. Na Mensch sagte dieser, "ich bin doch gestern Abend zu spät hier gelandet, und dann muss ich erst einmal meine acht Stunden Schönheitsschlaf haben. Ich komme in einer halben Stunde". Kapitän Hartmann und seine Mädels kamen schließlich etwas zerknittert aussehend 45 Minuten zu spät an. "Nanu...die Maschine ist ja vereist. Komisch, dann melden wir sie mal zum Enteisen an." So Kapitän Hartmann.
Auch die Enteiser haben ihre gewerkschaftlichen Pausen. Und so gerieten wir auf Platz acht der Enteiserwarteliste. ...
Nach gemütlichen vier Stunden Verspätung konnten wir endlich starten.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

23.12.10 vor dem (geplanten) Flug

Na hat doch alles geklappt. Die Koffer sind im Vorabendcheck aufgegeben. Wenigstens die werden ankommen. Ob das auch für uns gilt? Eisregen, der sich über Nacht in Schnee umwandelt könnte die Anreist zum Flughafen noch zu einem Abenteuer werden lassen.

Es soll mit dem Zug zum Flughafen gehen. Kurz noch den "netten" Herren am Infopoint gefragt. Allerdings hat er keine guten Nachrichten: "Seit heute Abend 19 Uhr ist der Bahnbetrieb eingestellt. 05:41 Uhr würde die erste Bahn fahren, wenn sie denn fährt." "Aber das ist doch zu spät für uns." "Na dann kann es Ihnen doch egal sein, wenn die Bahn eh nicht fährt."
Ja da hat er auch wieder Recht. Hoffen wir, dass die Lufthansa besser mit dem Winterwetter im Winter (wie ungewöhnlich) zurecht kommt.